Walter Kaufmann - welch ein Leben!

10.11. und 11.11.2021, jeweils mit anschließendem Filmgespräch mit Karin Kaper und Dirk Szuszies

Produktion: Deutschland 2021
Länge: 101 Minuten
Sprachfassung: Deutsch

Credits
Mitwirkende
Protagonist: Walter Kaufmann

Angela Brunner, Angela Davis, Ann Guterman, Yaacov Guterman, Dr. Gabriele Kaiser, Lissy Kemter, Amos Szmelcman

Stab
Buch, Regie, Produktion: Karin Kaper und Dirk Szuszies
Kamera: Tobias Rahm, Dirk Szuszies
Kamera Israel: Shalom Rufeisen, Michael Shubitz / Kamera Palästina: Bassam Jarbawi, Yasmine Qaddumi / Kamera Japan: Justyna Feicht, Susumu Miyazu / Kamera Kuba: Jochen Beckmann / Kamera Australien: Justine Kerrigan, Angus Kemp / Kamera USA: Michael Andres, Frazer Bradshaw, Jennifer Kanter, Wilder Aidan Nicholson, / Zusätzliche Kamera in Deutschland: Susanne Dzeik, Ferdinand Funke
Ton: Karin Kaper
Montage: Tobias Rahm, Dirk Szuszies
Musik: Benedikt Schiefer
Sounddesign: Marx Audio

Im Leben des am 15.4.2021 im Alter von 97 Jahren in Berlin gestorbenen Walter Kaufmann spiegeln sich auf außergewöhnlichste Weise weltweit bedeutende bzw. erschütternde Ereignisse des letzten Jahrhunderts, die bis in unsere Gegenwart wirken. Kaufmann hat an vielen Orten in der Welt gelebt und viele Länder besucht, im Film werden die Stationen seines Lebens und sein Schreiben – sowohl als journalistischer Berichterstatter als auch als Schriftsteller – miteinander verknüpft und nacherlebbar gemacht. Der Film ist eine bleibende Möglichkeit für junge und ältere Zuschauer, die Welt aus der Perspektive dieses Zeitzeugen vermittelt zu bekommen. 1924 kam er als Sohn namens Jizchak der armen, jungen polnischen Jüdin Rachel Schmeidler in Berlin zur Welt. Drei Jahre später adoptierte ihn ein wohlhabendes Duisburger Ehepaar. Im Gegensatz zu seinen Adoptiveltern Johanna und Sally Kaufmann konnte Walter der Ermordung durch die Nazis entkommen, er rettete sich als Jugendlicher mit einem Kindertransport nach England. Schon bald wurde er dort – wie viele andere auch – als „feindlicher Ausländer“ („enemy alien“) interniert und mit dem berüchtigten Schiff „Dunera“ von den Briten nach Australien gebracht. Fast zwei Jahre musste er wieder in einem Lager verbringen, allerdings unter wesentlich besseren Bedingungen, da die Insassen viele Möglichkeiten erhielten, ihr Leben selbst zu organisieren, wie Kaufmann schildert. Zitiert wird im Film auch immer wieder der Briefwechsel zwischen den Eltern Johanna und Sally sowie Adoptivsohn Walter – die Eltern voller Zuversicht, sich ebenfalls noch vor den Nazis nach Amerika retten zu können, bis zum Tag ihrer Deportation nach Theresienstadt. Schließlich wurde Kaufmann für einige Jahre australischer Soldat („weil es eine antifaschistische Armee war“), in dieser Zeit lernte er seine erste Frau Barbara kennen und nahm nach der Entlassung aus der Armee die australische Staatsbürgerschaft an. Er arbeitete als Obstpflücker, Hochzeitsfotograf und Seemann, schrieb Texte und entwickelte sich zum Schriftsteller – im Verlauf des Films werden immer wieder passende Textpassagen aus Büchern eingesprochen. Bewusst entschied er sich Mitte der 50er Jahre für ein Leben in der DDR. Er behielt seinen australischen Pass, durfte als Journalist und Schriftsteller reisen und verarbeitete diese Erfahrungen in zahlreichen Reportagen und Büchern, die in der DDR in hohen Auflagen erschienen. Der Film zeichnet die Spuren seines Lebenswegs an internationalen Schauplätzen wie den USA, Kuba, Japan und Israel nach, begleitet von den erzählten Erinnerungen Kaufmanns. In Deutschland war sein Leben immer eng verwoben mit der Vergangenheit. Er wird in und bei Berlin gezeigt, wo er seit 1956 lebt, in Duisburg, wo er seine Jugend verbrachte und auch später – wie im KZ Auschwitz – mit dem Schicksal seiner Eltern konfrontiert wird, sowie Born am Darß, wo er die Sommermonate verbracht und geschrieben hat. Es sind viele bedeutsame Themen, die Walter Kaufmann im Laufe seines langen Lebens beschäftigt haben: die katastrophalen Folgen des Nationalsozialismus, die Auswirkungen des Atombomben- abwurfs in Japan, die Bürgerrechtsbewegung in den USA, der legendäre Prozess gegen Angela Davis, die Revolution auf Kuba, die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus, die unendliche Geschichte der israelisch-palästinensischen Auseinandersetzung, der Zusammenbruch der DDR und zuletzt die ihn stark erschütternde Wiederkehr rechtsradikaler und antisemitischer Strömungen in Deutschland: „Die mörderische Attacke eines wildgewordenen Nazis auf die Synagoge in Halle hat alles wieder wachgerufen, was ich an faschistischer Verfolgung erlebt habe. Wir hatten die NSU-Morde und den Mord an dem CDU-Politiker Lübcke, jene bestialischen Morde in Hanau. Dieser Rechtsruck hat mich mobilisiert, innerlich, in dem Sinne, dass ich jetzt auf die Barrikaden gehen möchte und allen sagen: Nie wieder – das nie wieder!

 

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